Schon oft habe ich angeboten, Interviews zu geben. Aber niemand wollte. Als Künstler habe ich aber ein besonders starkes Mitteilungsbedürfnis. Deshalb habe ich kurzerhand ein Interview mit mir selber geführt, und was soll ich sagen: Ich habe einige pikante Details aus mir herausgekitzelt ...

 

 

Autor: Ich will hier gleich mal direkt am Anfang klarstellen,
dass ich keine persönlichen Fragen beantworte.
Also keine Fragen zu mir, meiner Familie oder meiner Herkunft.
Nicht zu meinen Eltern, Geschwistern, Haustieren, Ärzten …

Journalist: Und wieso nicht?

Autor: Weil ich diesen Medienzirkus nicht mitmache!
Diese Fragen, die nichts mit meinem Werk als Künstler
zu tun haben, sondern sich nur an mir als Privatperson
ergötzen wollen, wie ich lebe, was ich esse, wann ich aufstehe …

 

 

 

Journalist: Wann stehen Sie denn auf? Vor oder nach elf?

Autor: Ich lasse mich nicht für die Masse prostituieren!

Journalist: Sie sind ja noch weitgehend unbekannt,
da ist die Gefahr der Prostitution ja eher gering.

Autor: Ich habe Nein gesagt!

 

 

 

Journalist: (seufzt) Kommen wir zu Ihrem Buch.

Autor: Nein!

Journalist: Zum Buch wollen Sie auch nichts sagen?

Autor: Doch!

Journalist: Was ist Ihre Message? Was wollen Sie
dem Leser mit dem Text sagen?

 

Autor: Was ist das denn für eine bescheuerte Frage!
Wenn ich Ihnen das Buch erkläre, brauchen Sie es ja nicht
mehr lesen! Dann kann ich ja gleich das Ende verraten
und auf die Kohle scheißen. Wissen Sie, wie viel ich an so
einem Buch verdiene? Wissen Sie das?

Journalist: Wie viel denn?

Autor: Für Euch Medienfuzzis sind wir Künstler doch nur
Mittel zum Zweck, um Eure armseligen Existenzen an
unserer geistigen Überlegenheit aufzuwerten, weil Ihr
selbst nicht der Lage seid, etwas so Schönes und
Einmaliges zu erschaffen, wie zum Beispiel mein neuestes Buch.

 

 

Journalist: Ihr Buch, genau. Wie sind Sie denn auf das
Thema gekommen?

Autor: Können Sie nichts Anständiges fragen?

Journalist: Was würden Sie denn gerne gefragt werden?

Autor: Ach, jetzt soll ich auch noch Ihren Job machen, was?
Krieg ich dann auch Ihr Gehalt?

Journalist: Das ist auch nicht gerade üppig.

Autor: Ist das Ihr Interview oder meins?

 

Journalist: Ich habe Ihr Buch ja gelesen, und es hat
mir streckenweise wirklich gut gefallen. Besonders
die Stelle, wo der Priester die Nonne …

Autor: Streckenweise? Ich habe doch keinen verdammten
Eisenbahn-Porno geschrieben!

Journalist: Aber als Porno würden Sie Ihren Roman
schon bezeichnen?

Autor: Nein.

Journalist: Sondern?

Autor: Ich lasse mich nicht in irgendwelche Schubladen stecken.

Journalist: Wie verkauft sich das Werk denn?

Autor: Die Masse interessiert mich nicht.
Der einzelne Leser ist das Einzigste, was mich interessiert.

Journalist: Einzige.

Autor: Bitte?

Journalist: Wie läuft eigentlich die Arbeit mit einem Verlag
so ab? Schreiben Sie erst den kompletten Text, und der
wird dann lektoriert? Oder arbeiten Sie schon ganz früh
mit Lektor und Verleger zusammen?

Autor: Das wüssten Sie wohl gerne.

Journalist: Ja.

 

Autor: Damit Sie es dann auch machen können.
Auf so eine Masche falle ich nicht rein. Sie glauben wohl,
ich bin blöd. Aber ich habe studiert …

Journalist: Und nicht abgeschlossen, wie mir die Universität …

Autor: (brüllt) Wen haben Sie denn noch alles gefragt?
Meine Familie? Meine Verwandtschaft? Meine Freunde?

Journalist: So viele Freunde scheinen Sie nicht zu haben.
Eigentlich konnte ich nur einen einzigen ausfindig machen,
einen gewissen Hans-Günter Schmaleisen. Der sagte,
er würde Sie regelmäßig anrufen, um Sie an die hundert Euro
zu erinnern, die Sie ihm noch schulden.

Autor: Jetzt habe ich aber langsam die Schnauze voll!
Ich habe doch klipp und klar gesagt, dass sich keine
privaten Fragen beantworte!

Journalist: Und auch keine zu Ihrem Buch.

Autor: Genau.

Journalist: Worüber möchten Sie denn dann gerne sprechen? Politik?

Autor: Nein.

Journalist: Sport?

Autor: Nein.

Journalist: Das Wetter?

Autor: (guckt böse)

 

 

 

Journalist: Sie wollen also über gar nichts reden.

Autor: Wir können über mein Hobby sprechen.

Journalist: Und das wäre?

Autor: Die Balzrituale der Grönlandrobbe.

 

Journalist: Tut mir leid, davon habe ich leider keine Ahnung.

Autor: Und so was nennt sich Journalist! Pah!
(verlässt wütend den Raum)

Journalist: Ein wirklich interessanter Künstler. Ich denke,
ich werde alle seine Bücher lesen und Hörspiele hören.
Auch seine Kindergeschichten klingen äußerst interessant ... 

Autor: (kommt zurück)

Journalist: Oh, Sie kommen zurück?

Autor: Ich hab noch was vergessen zu sagen.

Journalist: (in freudiger Erregung) Und was?

 

 

 

 

Autor: Arschloch.